Das Globale im Lokalen – eine Plattform für viele Orte

Eine lokale Plattform

Trotz der Globalisierung ist der Mensch körperlich (man mag dies bedauern) zu einer Zeit immer nur an einem Ort. Die Globalisierung trägt sicherlich dazu bei, das immer mehr Menschen zwar die Füße an einem Ort haben, der Kopf aber viele Orte bewohnt. Viele werden sich weiter für die Orte interessieren in denen sie aufgewachsen sind, eine Ausbildung gemacht oder einen tollen Urlaub verbracht haben. Die Liste ließe sich unendlich fortsetzen.

Unsere Orte gestern, heute, morgen

Und obwohl dies schon eine halbe Ewigkeit hersein mag, besteht eine wiederkehrende Verbindung zu diesen Orten. Sei es aus purer Erinnerung oder weil auch immer noch viele bekannte Menschen dort leben. Von der anderen Seite kommend gibt es auch viele Orte die noch entdeckt werden möchten. Vielleicht steht ein Kurztrip an, ein neuer Job, vielleicht aber auch nur das Erkunden eines Nachbardorfes oder des übernächsten Stadtteils.

Als Mensch trägt man also viele Orte im Gepäck und wird immer ein vages Interesse für diese Orte hegen.

Dabei ist es egal ob sich diese Orte in einem Umkreis von 50 oder 5.000 km befinden. Man möchte die Verbindung nicht verlieren oder sie nach langer Zeit wieder entdecken oder ganz neu aufbauen. Deswegen ist lokal nicht immer fußläufig sondern auch weit entfernt, global eben.

Fußläufig Lokal und global Lokal

Eine Unterscheidung zwischen körperlichen und gedanklichen Orten ist also durchaus eine Betrachtung wert. Was ist eher von Interesse in der direkten Umgebung, was eher an der weiter entfernten?
Naturgemäß nimmt die direkte Umgebung (der Mensch als sesshaftes Wesen) einen hohen Stellenwert ein, ist es doch der Ort an dem das (all)tägliche Leben stattfindet. Grundbedürfnisse wie Ernährung, Sicherung des Lebensunterhalts, gefühlte Sicherheit, oder schlicht Ausruhen sind örtlich meist sehr nah.
Daneben gibt es auch weitere soziale und individuelle Bedürfnisse z.B. nach Amüsement, Bildung oder Sport, die nicht zwangsläufig in direkter Umgebung stattfinden müssen, aber oftmals doch noch in der Nähe der eigenen Scholle stattfinden.

Zeit, Bedürfnisse und Rollen

Darüber hinaus sind die meisten Menschen mit dem Genom Weltentdecker (der Nomade in uns) ausgestattet. Dieses Genom als Triebfeder treibt uns an immer wieder neue Orte, nah wie fern, zu entdecken. Wir sehen also Zeit, Bedürfnisse und auch die Rolle in der man sich befindet (z.B. Nachbar, Vater, Musiker, Sportler…) bestimmen das Interesse an einem Ort. Die Reduktion einer Person auf eine Hausanschrift, also auf nur einen lokalen Ort, greift also z.B. nur die Rolle Nachbar im Hier und Jetzt auf. Der komplexere Zusammenhang zwischen Mensch und Ort geht aber verloren.

Zusammenhang Zeit Roll und Ort

Wie kann man all diese Bedürfnisse zusammenführen?

Eine Plattform, die all diese Bedürfnisse zusammenführt, sollte im Wesentlichen die folgende Dinge betrachten und verinnerlichen:

Fuß- und Kopforte

Alle Orte (global) die einen Bezug zur Person haben müssen (virtuell) erreichbar sein und eine Art feste Anlaufstelle anbieten.

Lokale Inhalte

Diese feste Anlaufstelle muss Möglichkeiten bieten direkt in Kontakt treten zu können. Auf vielen Plattformen gibt es lokale – aber sehr stark abgeschirmte – Gruppen, die eine öffentliche Teilhabe erschweren oder auch ausschließen. Geschlossene Gruppen haben sicher ihre Berechtigung, sind aber eher für Einzelthemen sinnvoll und nicht für öffentliche Informationen die eigentlich viele erreichen sollten.

Inhalte sollten von einer breiten Gemeinschaft als relevant eingestuft werden und nicht von einigen wenigen (im Sinne eines Admins) als wichtig/unwichtig „zugelassen“ werden. Immerhin geht es um einen Ort der in aller Regel öffentlich ist und somit Allgemeingut sein sollte.

Bedürfnisübergreifend

Rollen und Bedürfnisse sind vielfältig. Rollen wie Vater, Mutter, Lebensgefährte, Arbeitnehmer, Mitspieler, Gärtner, Künstler, Koch, Taxifahrer, Einkäufer und wahrscheinlich noch ein Dutzend mehr, bestimmen u.a. unsere Bedürfnisse, die sehr oft mit dem lokalen Umfeld verknüpft sind. Somit kann eine lokale Plattform nicht die Inhalte vorgeben sondern maximal Rubriken anbieten.

Die Plattform muss für jedes Bedürfnis ein zugeschnittenes Angebot machen und optimal unterstützen.

Lokal Einkaufen

Lokal Verkaufen

Als Einkäufer, Gärtner, Mutter, Vater möchte ich einen direkten Kontakt mit dem lokalen Handel aufbauen können. Dabei sollte die Plattform ein anderes Einkaufserlebnis bieten als der normale Onlineeinkauf. Z.B. sollte eine Plattform multimediale Unterstützung für eine persönliche Beratung bieten. Diese sollte auch nicht zwangsläufig umsonst sein.
Gegen ein Warenlager mit angeschlossenen Onlineshop wird ein stationärer Shop preislich vermutlich schwer ankommen. In Sachen Beratung hat der lokale Handel hier aber einen deutlichen Vorteil, denn lokale Geschäfte haben hierfür Spezialisten, die sich richtig gut mit den Produkten auskennen die sie verkaufen.

Entdecken

Entdecken

Entdecker sind mit einer großen Portion Neugier ausgestattet. Sie suchen das Unbekannte, nehmen abgelegene Routen und haben nur eine vage Vorstellung was sich hinter der nächsten Kurve befindet. Eine Plattform muss diese Neugier unterstützen. Vielleicht gibt es im übernächsten Ort ein tolles Angebot oder Erlebnis zu entdecken. Die Plattform muss nicht unbedingt eine Empfehlung präsentieren sondern vielmehr die richtigen Entdeckerwerkzeuge anbieten.

Vernetzen und kennenlernen

Kennenlernen

Soziale Netzwerke im virtuellen Raum sind meist groß, physische Netzwerke haben eher selten diese Dimensionen. Um ein virtuelles Netzwerk auch in ein örtliches zu übertragen bedarf es einer räumlichen Einheit, eines Ortes um sich persönlich zu treffen. Eine Plattform muss dieses Treffen unterstützen. Die Bandbreite der Unterstützung ist hier groß. Vom Sponsoring tatsächlicher Treffen bis hin zum Angebot virtueller lokaler Gruppen ist hier alles möglich.

Teilen und Helfen

Helfen und Teilen

Vom nachbarschaftlichen Leiter-sharing bis hin zum Charity-Grillen. Teilen und helfen ist selten virtuell – abgesehen von Geldspenden – und bedarf manchmal eines großen aber lokalen Empfängerkreises. Leiter-sharing – neudeutsch für das Ausleihen einer Leiter – wird regelmäßig durch schlichtes Klingeln beim schon bekannten Nachbarn und ohne virtuelle Unterstützung initiiert.
Teilen bedeutet aber nicht zwangsläufig das etwas an (ggf. auch unbekannte) Nachbarn für Gut ausgeliehen wird, sondern das der Besitzer dafür auch eine Gegenleistung erhält. Bei manchen Dingen macht eine Art Genossenschaft für z.B. teure und selten genutzte Gartengeräte durchaus Sinn. Eine Plattform sollte auch hier spezielle Funktionen anbieten, z.B. um solche Gegenstände zu verwalten oder auch virtuelle Gegenleistungen fließen zu lassen.

Anbieten und Finden

Suchen und Finden

Wechselnde Bedürfnisse zeigen sich in der großen Menge an Gebrauchtkäufen und -verkäufen. Vom Garagenflohmarkt bis hin zum Holzverkauf. Viele Dinge eignen sich nicht für den Paketversand, entweder weil sie zu sperrig sind oder weil ein gebrauchtes Produkt eher kritisch beäugt werden sollte. Eine Plattform muss ähnliche Funktionen wie für den lokalen Handel auch für private Verkäufe anbieten. Denn auch hier sind die Käufer kritisch und überlegen es sich gut ob eine Vorortbesichtigung lohnenswert ist.

Auf dem Laufenden bleiben

News und Neuigkeiten

Die oben genannte Neugier ist nicht ausschließlich dem Entdecken zuzuordnen. Die lokale Themenvielfalt ist groß. Je näher das Thema zum aktuellen Standort liegt, desto größer ist auch das Interesse daran, auch wenn es auf den ersten Blick belanglos erscheint. Der sprichwörtliche Tratsch („Habe gehört, dass …“) und Tipps aus der lokalen Umgebung (z.B. „Morgen die Mülltonne an die Straße zu stellen“) müssen auf einer Plattform ebenso einen festen Platz haben, wie Informationen über Events & Veranstaltungen lokaler Vereine und Gruppen oder Museen und Märkte.

Menschen, die eher ein entfernteres Interesse an einem Ort haben, sind wahrscheinlich an den größeren Informationshappen interessiert. Somit ist es sinnvoll eher kleine Ortsgespräche auf der Plattform anders darzustellen.

Etwas initiieren

Zum Bedürfnis nach Selbstverwirklichung zählt auch das Starten von Aktionen. Initiativen können kleine Dinge wie ein Lauftreff oder Nachbarschaftsfeste sein, bis hin zur Verschönerung des Dorfes oder Stadtteils. Eine Plattform muss auch diese unterschiedlichen Anforderungen aufnehmen: Kleine Umfragen in der Nachbarschaft, große Online-Townhalls oder themenspezifische Gruppen. Der Werkzeugkasten um Initiativen zu unterstützen ist groß.

Sicherheit

Sicherheit für Inhalte

Das Bedürfnis nach Sicherheit ist ebenfalls sehr vielschichtig. Das Sicherheitsempfinden wird oft und stark durch die mediale Aufbereitung von Informationen geprägt. Konkret wird es aber durch das tatsächliche Erleben. Beispielsweise versetzt ein Zeitungsbericht über einen Einbruch in der Nähe eher in Alarmbereitschaft als eine bundesweite Statistik über durchschnittliche Einbruchszahlen. Eine Plattform kann hier helfen, darf sich aber nicht zum Angstmedium entwickeln.

Eine lokale Plattform muss Möglichkeiten bieten z.B. vor lokalen Unsicherheiten zu warnen aber auch die Verbreitung von Zerrbildern zu verhindern. Egal ob diffuses Bangemachen oder rosarote Brille. Das Zeichnen eines realistische Lagebildes kann nur über eine gezielte Einbindung aller Menschen vor Ort gelingen. Für ein großes Engagement der lokalen Nutzer muss der Eingang zur Plattform ohne Hindernisse möglich sein.

Sicherheit betrifft aber auch die Plattform selbst, sollen doch auch hier alle Nutzer geistig unversehrt die Plattform wieder verlassen können. Inhalte aus Plattformbubbles, von Troll-Armeen und gezielter Fake sind nur über die Meinung vieler Leser in ihrer Relevanz überprüfbar. Ein Bezahlmodell auf Basis von Micromoney ist zudem ein guter Schutz gegen Inhalte dieser Art. Quasi eine Content Firewall der Plattform. Technische Inhaltskontrollen können helfen, aber eine Plattform wird ausschließlich durch die Nutzer belebt. Somit sollten auch alle Nutzer die Möglichkeit erhalten in die Prüfung von Inhalten eingebunden zu werden. Ein Modell das nur Einzelne über gute bzw. schlechte Inhalte entscheiden lässt, (dies schließt künstliche Intelligenz mit ein) repräsentiert dann nur Einzelmeinungen und verfälscht den „Plattformgeist“. Für sichere Inhalte sollte die Plattform Nutzer für Einsatz und Engagement belohnt werden. Dies motiviert und greift weiter als eine rein freiwillige Inhaltskontrolle.

Plattformfinanzierung

Finanzierung einer Plattform

Das vorherrschende Plattformmodell heutzutage basiert auf der Aufmerksamkeitsökonomie. User erzeugen Inhalte, Plattformen verdichten diese Inhalte und bewerben User direkt und mit hoher Genauigkeit. Ziel ist es die Verweildauer pro Nutzer auf der Plattform möglichst lange aufrecht zu erhalten. Denn je länger der Aufenthalt, desto höher die Werbezeit. Das Modell ist zugegeben sehr erfolgreich.

Aber vielleicht sollte eine Plattform auch andere Wege gehen und zeigen wie eine gerechtere Finanzierung aussehen kann. Es gilt ein Nutzungsmodell zu schaffen das größeren Teilen der Nutzerschaft ermöglicht von der Plattform zu profitieren. Die Plattform als Bühne für alle Nutzer. Nutzer können ihre Inhalte als Wert in die Plattform einbringen, die dann z.B. mit Micropayments von Lesern gekauft werden. Ein eher klassischer Ansatz also: Bezahlung für Inhalte.

LIFLIT – Die Plattform

Mit der Plattform www.LIFLIT.io werden wir nach und nach diese und natürlich andere Plattform-Ideen aufbauen und anbieten. Wir rufen alle Nutzer von LIFLIT und anderen lokalen Plattformen auf an der Plattform mit eigenen Ideen mitzuwirken. In weiteren Artikeln auf localz.one werden wir Ideen wie LIFLIT genutzt werden kann skizzieren und viele kleine Funktionen der Plattform vorstellen.

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